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Der kunstvolle Erzähler auf dem Eis

Maurizio Zandron liebt die ästhetische Seite des Eiskunstlaufens. Im Wettkampf konzentriert er sich auf die Performance – nicht auf die Ergebnisse. Die passen vielleicht gerade deshalb.

© Gepa / Andreas Prantner

Nach vorne schauen: Das ist wohl das Motto von Maurizio Zandron. Nach Rückschlägen sieht er schnell wieder das Positive. Sowohl die verpasste Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking 2022, als auch Platz zwei bei den Staatsmeisterschaften im Dezember 2021 hinter Luc Maierhofer hakte er schnell ab. Der zweite Teil der Saison 2021/22 lief deutlich besser für den gebürtigen Italiener. Sowohl bei der Europameisterschaft in Tallinn im Jänner, als auch bei der Weltmeisterschaft in Montpellier im März landete er auf Platz 17. In Frankreich stellte er in Kurzprogramm, Kür und Gesamtwertung (228,27 Punkte) persönliche Bestleistungen auf.

Im vergangenen Sommer absolvierte Maurizio die Grundausbildung beim Bundesheer. Weil die dortige Eishalle im Juli nicht geöffnet hat, musste er eine ungewöhnlich lange Eispause einlegen. „Danach wollte ich mein Gefühl auf Eis wieder finden.“

Maurizio fand sein Gefühl schnell und legte einen tollen Saisonstart hin. Im Oktober gewann er sowohl bei der Tayside Trophy in Schottland, als auch beim Crystal Skate in Bukarest. „Ich war fast ein bisschen überrascht, dass es so gut funktioniert hat“, sagt er.

Für den Wahl-Tiroler ist Eiskunstlauf nicht nur eine Leidenschaft, „sondern ein Weg, um mich weiterzuentwickeln. Man lernt immer. Man sammelt immer Erfahrungen“. Eine tolle Erfahrung für Maurizio war die NHK Trophy Mitte November in Sapporo. Bei seinem Debüt in der elitären Grand-Prix-Serie landete Maurizio wenige Tage nach seinem 30. Geburtstag auf Rang elf. Vor den begeisterten japanischen Fans zu laufen fand Maurizio „mega. Es war ein Vergnügen, in einer Halle voller Menschen zu starten.“

Kür // Österreichische Meisterschaften // 11. Dez. 2021 in Graz

Maurizios Philosophie

Seine weiteren Saisonhöhepunkte: die EM im Jänner in Finnland und die WM im März in Japan. Maurizio setzt sich einen Top-15-, bzw. einen Top-20-Platz zum Ziel. Aber eigentlich will er sich nicht auf Ergebnisse fokussieren – sondern auf seine Performance. „Das ist ein bisschen meine Philosophie.“ Und seine Taktik ist es, auf anspruchsvolle Kombinationen statt auf Vierfach-Sprünge zu setzen.

„Ich trainiere den vierfachen Rittberger. Aber es ist ein hohes Risiko, ihn im Programm zu zeigen. Denn für eine schöne Dreifach-dreifach-Kombination bekommt man viel mehr Punkte als für einen schlechten Vierfach-Sprung.“

Seine Stärken sieht Maurizio in der Musikinterpretation, der Choreographie und den Schrittfolgen. „Die künstlerische Seite ist für mich die interessanteste am Eiskunstlaufen. Es ist spannend, Emotionen zu zeigen und eine Geschichte auf dem Eis zu erzählen.“

(c) Gepa / Johannes Friedl

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Zwei Kufen und fünf Ringe: In unserer großen Olympia-Blogserie stellen wir nationale Spitzen-Läufer:innen und Nachwuchshoffnungen vor und erklären wichtige Grundlagen des Sports.

Innsbruck ist besser als Italien

Maurizio trainiert in Innsbruck und in Telfs. „Wir haben das ganze Jahr Eis.“ Im Olympiazentrum kann er auch Trockentraining machen, Physiotherapie, Ernährungsberatung und psychologische Betreuung in Anspruch nehmen. „So etwas hatte ich in Italien nicht.“ Seit 2018 läuft Maurizio, der aus Bozen kommt, für Österreich. In Innsbruck fühlt er sich wohl. Sein Studium der Wirtschaftswissenschaften hat er 2022 abgeschlossen.

2026 werden die Olympischen Spiele in Maurizios Geburtsland Italien stattfinden. „Vielleicht ist das noch ein Ziel“, sagt er. Wie lang er noch Eiskunstlauf betreiben will, weiß er noch nicht. Das hänge von vielen Faktoren ab: Familie, Arbeit, Alter, Gesundheit. „Aber Eiskunstlauf ist meine Leidenschaft, es macht mir Spaß. Und so lange es mir Freude macht, werde ich weiterlaufen.“

 


// Bilder unten: Maurizio abseits der Eisfläche. © privates Archiv //

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