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„Enttäuschungen gibt es nicht, nur Erfahrungen“

Olga Mikutina gibt nicht auf. Die 18-Jährige hat die Gabe, Dinge schnell abzuhaken, die nicht so laufen wie geplant. Bei ihrem Olympia-Debüt sicherte sie sich trotz problembehafteter Vorbereitung den 14. Platz.

Ein Mädchen spaziert im Garten, es hat Freude an der Natur. Plötzlich gerät es in einen heftigen Sturm. Aber danach erscheint ein Regenbogen. Ab nun will das Mädchen jeden Moment genießen. – Diese Geschichte will Olga Mikutina am 17. Februar bei den Winterspielen in Peking erzählen. Es ist die Geschichte hinter dem Kürprogramm der 18-jährigen Vorarlbergerin. Im Vorjahr hat ihr diese Geschichte bei den Weltmeisterschaften in Stockholm einen sensationellen achten Platz und eine fixe Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen in China eingebracht.

Um bei ihren ersten Spielen im Finale auch ihre Kür zeigen zu können, muss Olga davor im Kurzprogramm am 15. Februar unter den besten 24 landen. Das ist das Minimalziel. Hinter dem Kurzprogramm steckt eine Horrorgeschichte. Olga: „Es geht um eine Statue im Keller, die aufwacht und versucht, das Publikum zu erschrecken.“

Kür // WM 2021 // März 2021, Stockholm

Mit dem Publikum kommunizieren

Die Geschichten machen es Olga leichter, die entsprechende Stimmung rüberzubringen. In Peking will sie mit dem Publikum kommunizieren – mit Freude, Energie und ausdrucksstark laufen. Und möglichst fehlerfrei. „Dann, denke ich, wird eine gute Platzierung rauskommen. Es liegt nur an mir.“

Am Eiskunstlaufen gefällt Olga einfach alles. „Jedes Element ist einzigartig. Ich mag, wie man alles in einem Programm verbindet und es so aussehen lässt, als wäre es einfach.“ Im Alter von vier Jahren hat sie in ihrer Geburtsstadt Charkiw in der Ukraine mit dem Sport begonnen. Sie hatte sofort Freude daran und wollte unbedingt weitermachen. Der Wunsch, einmal Eishockey zu spielen, war damit vergessen. Olgas Vater war Eishockeyspieler. Er lebt noch immer in Charkiw und ist dort der Chef einer Eishalle.

Training in Feldkirch und in der Schweiz

Vor sechs Jahren kam Olga mit ihrer Mutter nach Österreich. Ihr Trainer in der Ukraine erkannte Olgas Talent, konnte dem Mädchen aber nicht mehr weiterhelfen. Seither lebt die zielstrebige Athletin in Vorarlberg und trainiert unter der Ukrainerin Elena Romanowa in Feldkirch sowie in Herisau in der Schweiz.

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Zwei Kufen und fünf Ringe: In unserer großen Olympia-Blogserie stellen wir nationale Spitzen-Läufer:innen und Nachwuchshoffnungen vor und erklären wichtige Grundlagen des Sports.

Seit 2020 ist Olga österreichische Staatsbürgerin. 2019 belegte die Schülerin Platz 18 bei der Junioren-WM. Bei ihrem EM-Debüt 2020 in Graz wurde die damals 16-Jährige 24. Je zweimal gewann sie den Staatsmeistertitel bei den Juniorinnen und bei den Seniorinnen.

Plötzliche Schmerzen im Sommer

Diese Saison lief bisher noch nicht nach Wunsch. Allerdings war Olga ab Juli einige Zeit durch eine Kniegelenksentzündung beeinträchtigt. „Es ist mir unklar, wie das passiert ist.“ Sie habe einfach Schmerzen bekommen. Bei den österreichischen Meisterschaften im Dezember musste sich Olga Stefanie Pesendorfer geschlagen geben. Bei den Europameisterschaften im Jänner in Tallinn fiel sie von Platz zwölf im Kurzprogramm auf Rang 15 zurück.

Beides hat Olga abgehakt. „Was war, das war. Ich lebe in der Gegenwart.“ Olga will aus jedem Wettkampf, aus allen Fehlern lernen. „Enttäuschungen gibt es nicht, nur Erfahrungen.“ Mittlerweile fühlt sich Olga 100-prozentig fit und gut in Form. Die Verletzung habe auch etwas Gutes gehabt. „Ich schätze jetzt mehr, was ich habe.“

Olympia-Debüt in Peking

Ihren ersten Olympia-Auftritt beendete Olga auf dem 14. Platz. Nach dem Kurzprogramm musste sich die Vorarlbergerin noch mit Rang 18 zufriedengeben, hatte aber nur wenige Zehntel Punkte Abstand zu den drei Läuferinnen, die im Zwischenergebnis vor ihr lagen. In der Kür, die am 17. Februar 2022 in Peking über die Bühne ging, konnte Olga noch einige Plätze gut machen und erzielte insgesamt 182,20 Punkte.

Damit liegt sie gleich auf mit Julia Lautowa, der österreichischen Olympia-Teilnehmerin 1998, die in Nagano ebenfalls Vierzehnte wurde. „Ich kann meine Freude noch gar nicht in Worte fassen und bin überglücklich, dass bei meiner ersten Teilnahme bei Olympischen Spielen ein so tolles Ergebnis herausgekommen ist. Jetzt bin ich besonders motiviert und voller Tatendrang und freue mich schon sehr auf die Weltmeisterschaften Ende März 2022 in Montpellier", sagt Olga Mikutina. ///

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// Bilder unten: Olga abseits der Eisfläche / © Privates Archiv //

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